
Mit Bernhard Hollenhorst verliert Cappel einen Menschen, der seinem Heimatort über Jahrzehnte in außergewöhnlicher Weise verbunden war. Sein Leben war geprägt von der Landwirtschaft, vom ehrenamtlichen Engagement, vom Schützenwesen und von der kommunalpolitischen Verantwortung. Vieles von dem, was ihm wichtig war, hatte seinen Ausgangspunkt in Cappel, sein Blick aber reichte stets auch darüber hinaus auf Lippstadt insgesamt.
Bernhard Hollenhorst wurde am 29. Juli 1940 in Herringhausen geboren. Als Landwirt war er seiner Heimat, ihrer Landschaft und den Menschen, die dort lebten, eng verbunden. Diese Bodenständigkeit und Verbundenheit mit dem ländlichen Raum begleiteten ihn auch bei seinem späteren vielfältigen ehrenamtlichen und politischen Wirken.
Schon als junger Mann fand er seinen Platz im Cappeler Schützenverein. 1959 trat er in den Verein ein. Bereits fünf Jahre später, 1964, wurde er zum Leutnant befördert und übernahm als Fahnenoffizier der 3. Kompanie Verantwortung. Dieses Amt übte er bis 1973 aus, dann führte er auch die 3. Kompanie und wurde 1973 zum Hauptmann befördert. Bereits 1970 hatte er die Königswürde errungen und repräsentierte den Cappeler Schützenverein als König mit seiner Frau Marlies.
1979 begann ein besonders prägender Abschnitt seines Wirkens für den Schützenverein: Bernhard Hollenhorst wurde zum Oberst gewählt und übernahm zugleich den Vereinsvorsitz. Fast ein Vierteljahrhundert, bis zum Jahr 2003, stand er damit an der Spitze des Vereins. In diese lange Zeit fielen zahlreiche Schützenfeste, Veränderungen und Herausforderungen, vor allem aber unzählige Begegnungen mit den Menschen in Cappel. Für seine Verdienste wurde er 1979 mit dem Orden für Verdienste, 1982 mit dem für besondere und 1992 mit dem Orden für hervorragende Verdienste ausgezeichnet. 1999 wurde er mit dem Verdienstkreuz in Silber des Ritterordens des heiligen Sebastianus von Europa ausgezeichnet. Als er 2003 nach 24 Jahren die Führung des Vereins abgab, wählte ihn die Generalversammlung des Schützenvereins zum Ehrenoberst.
Doch Bernhard Hollenhorsts Engagement für Cappel beschränkte sich nicht auf das Schützenwesen. 24 Jahre war er im Kirchenvorstand der Cappeler Gemeinde tätig, 14 Jahre war er Vorsitzender des Tischtennisvereins. Er wollte seinen Heimatort aber auch politisch mitgestalten und Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen. Von 1982 bis 1996 war er Vorsitzender der Ortsunion in Cappel. Am 16. Oktober 1989 zog er in den Rat der Stadt Lippstadt ein. Diesem gehörte er zwanzig Jahre lang bis zum 26. Oktober 2009 an.
Schon während seiner ersten Wahlperiode arbeitete er unter anderem im Personalausschuss sowie im Ausschuss für Umwelt, Gewässer und Entsorgung und im Ausschuss für Grünflächen und Friedhöfe mit. Später gehörte er dem Sport- und Freizeitausschuss an. Von 1999 an wirkte er unter anderem im Sportausschuss sowie im Bau- und Verkehrsausschuss mit und übernahm zudem Verantwortung im Aufsichtsrat der GWL GmbH.
In seiner letzten Wahlperiode von 2004 bis 2009 wurde ihm mit dem Vorsitz des Bau- und Verkehrsausschusses eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe übertragen. Bis Juni 2007 leitete er diesen wichtigen Fachausschuss des Rates und damit zugleich die Verkehrskommission.
Bei all diesen Aufgaben verlor Bernhard Hollenhorst nie aus dem Blick, wo seine eigenen Wurzeln lagen. Von Oktober 1999 bis Oktober 2009 war er Ortsvorsteher von Cappel. Zehn Jahre lang war er damit in besonderer Weise Ansprechpartner und Repräsentant seines Heimatortes.
Dieses Amt passte zu ihm. Denn Bernhard Hollenhorst verstand kommunalpolitisches Engagement nicht als etwas Abstraktes. Politik begann für ihn dort, wo Menschen miteinander lebten: bei den Vereinen, den Straßen und Wegen, bei Fragen der örtlichen Entwicklung, bei den kleinen und großen Anliegen der Bürgerinnen und Bürger. Im Rat vertrat er die Interessen Cappels, ohne dabei die Verantwortung für die gesamte Stadt Lippstadt aus den Augen zu verlieren.
Gerade darin lag eine seiner besonderen Stärken: Er war Cappeler aus tiefster Überzeugung und zugleich Lippstädter Kommunalpolitiker mit Verantwortung für das Ganze.
Schützenverein und Kommunalpolitik waren für Bernhard Hollenhorst dabei keine voneinander getrennten Welten. In beiden Bereichen ging es ihm um Gemeinschaft, um Verlässlichkeit und darum, Verantwortung nicht nur einzufordern, sondern selbst zu übernehmen. Viele Jahrzehnte lang war er dort zur Stelle, wo Menschen gebraucht wurden, die bereit waren, ihre Zeit und ihre Kraft für andere einzusetzen.
Wer über einen so langen Zeitraum das Leben eines Ortes mitgestaltet, hinterlässt Spuren, die sich nicht allein in Amtszeiten, Ausschussmitgliedschaften oder Auszeichnungen ausdrücken lassen. Sie zeigen sich vielmehr in Erinnerungen an Begegnungen, an Gespräche am Rande eines Schützenfestes, an kurze Wege und ein offenes Ohr, an gemeinsame Entscheidungen und manchmal sicherlich auch an leidenschaftliche Diskussionen. Bernhard Hollenhorst gehörte zu jenen Menschen, bei denen das Amt nie wichtiger war als der Ort und die Menschen, für die es ausgeübt wurde. Cappel war für ihn nicht einfach ein Wohnort. Es war Heimat.
Mit seinem Tod endet ein langes Kapitel Cappeler Vereins- und Ortsgeschichte. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen tief in seiner Heimat verwurzelten Menschen, der bereit war, Verantwortung zu tragen und sich über Jahrzehnte für die Gemeinschaft einzusetzen.
Der Cappeler Schützenverein und viele Menschen in Cappel werden Bernhard Hollenhorst ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.
